In unserer spw-Kolumne im Juni schreiben Carl Mühlbach und Caspar Berges, darüber was es bedeutet, dass Elon Musk der erste Billionär der Geschichte ist.
Am 12. Juni schrieb die Wall Street Geschichte. Mit dem größten Börsengang aller Zeiten ging SpaceX an den Markt – und schuf im selben Atemzug den ersten Dollarbillionär der Geschichte. Elon Musk besitzt nun über 1.000.000.000.000 Dollar. Laut Oxfam ist er damit reicher als die ärmsten 46 Prozent der Weltbevölkerung zusammen – rund 3,8 Milliarden Menschen. Sein Vermögen übersteigt das BIP der großen Mehrheit aller Staaten. Das ist kein Fall für die Wirtschaftspresse. Das könnte der Beginn eines neuen politischen Zeitalters sein – des von Musk und anderen herbeigesehnten Technofeudalismus.
Man könnte versucht sein, Musk als Bösewicht aus einem Bond-Film wegzulachen. Aber solche Vergleiche mit dem Fiktionalen verharmlosen die Gefahr des Realen. Was wir erleben, ist kein Drehbuch.Es passiert tatsächlich.
Musk ist längst kein rein ökonomischer Akteur mehr. Über SpaceX verfügt er über technologische Kapazitäten, die bis vor einem Jahrzehnt ausschließlich Staaten vorbehalten waren – und vorbehalten bleiben sollten. Im März 2025 erklärte er auf X, das gesamte ukrainische Frontliniensystem würde kollabieren, wenn er Starlink abschalte. Reuters berichtete zudem, dass er durch eine kurzzeitige Abschaltung bereits aktiv ins Kriegsgeschehen eingegriffen habe. Das Entscheiden über Krieg und Frieden liegt damit im Ermessen eines einzigen Privatmannes.
Auch X ist unter Musks Führung zu einem Hort antisemitischer und rassistischer Propaganda verkommen – nicht nur durch Algorithmen, sondern durch Musk persönlich. Er verbreitet Narrative vom Bürgerkrieg in Europa, spricht von „ethnischen Säuberungen ethnischer Deutscher", befürwortet Remigration im Millionenmaßstab und wirbt für rechtsextreme Parteien wie die AfD.
Die Entstehung des ersten Billionärs stellt die Frage nach dem Technofeudalismus mit neuer Dringlichkeit. Die Antwort darf keine Resignation sein – sondern der Auftakt zur Debatte, welche Zukunft wir wollen: Mitbestimmung Aller oder Diktat der Einzelnen.